Nr. 152: Gekettet an Metrik, Strophe, Reim

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

So, wie mit der heutigen 152. Ausgabe des Lyrikjoints werbe ich seit drei Jahren jeden Montag um Ihre Aufmerksamkeit. Für mich ist diese regelmäßige Kommentierung unseres Alltags zu einer Passion geworden.

 

2014 habe ich mehr als Versuch mit den Gedichten angefangen. Mein erstes Opus hatte den Titel „Die Zeit – ein Schatz“, eine in strenger Metrik verfasste Reflexion über die Begrenztheit unserer wichtigsten individuellen Ressource. Sie wird in einem der nächsten Lyrikjoints veröffentlicht.

 

Noch heute wundere ich mich, wie ich zum Gedicht gekommen bin. Diesen Entwicklungsprozess beschreibt das folgende Gedicht. Auch zu solcher Retroperspektive animiert die Poesie mit ihrem Zwang, komplizierte Sachverhalte kurz und knapp auf den Punkt zu bringen. In Prosa hätte ich so einen Text nie verfasst.

 

 

Warum

 

Ich hätte alles drauf verwettet,

nie ging ich Dichtern auf den Leim.

Und doch fühl ich mich jetzt gekettet

an Metrik, Strophe, Vers und Reim.

 

Was ich geliebt seit frühster Zeit,

war´n dicke Wälzer, Prosa meist.

Doch fand ich selten mich bereit,

für der Poeten Zaubergeist.

 

Das war mir alles sehr verdächtig.

Zu rätselhaft, verträumt, berauscht.

Zu hergesucht, zu farbenprächtig,

kurz: Künstlich alles aufgebauscht.

 

Nun gut, die kleinen Schulgedichte,

die liebte ich, wie man so liebt

die kleinen, lockeren Leichtgewichte,

was sich beim Lernen so ergibt.

 

Für mich die allerbeste Therapie,

das ist der Sprache sanfter Klang,

ihr Rhythmus, ihre Melodie,

die mich beglücken lebenslang.

 

Doch selbst mir Bilder zu kreieren,

formschön zu rahmen sie mit Lust,

sie stimmig dann zu kolorieren,

von der Kunst hab´ ich nie gewusst.

 

Und plötzlich kam´s. Ganz unerwartet.

Ich fand all das beim Reime kneten.

So bin ich noch mal durchgestartet.

Wem´s nicht gefällt, darf abseits treten.

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