Nr. 216: Anderswo ist nicht bei uns

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

unsere Gesellschaft scheint in den Tiefschlaf gefallen zu sein. Wir lassen uns nicht aus unserer Ruhe bringen. Die Aufregung um die Ukraine scheint abzuebben, die Pandemie hat ihren Schrecken verloren und was sich da in Fernost abspielt ist doch eh nur Theaterdonner.

 

Ich sage es Ihnen voraus: Was immer auch im Herbst passieren wird, es führt zu einer Veränderung unserer Lebensgewohnheiten und zu einem Bruch in der Nachkriegsentwicklung. Unweigerlich!

 

„Wirklich?“ Wir müssen uns anpassen?“ Das würde ja bedeuten, dass wir….“

 

Psst! Psst! Nicht dran rühren. Es schläft sich grad so schön…..

 

 

 

Das Wort

 

Keiner hat es ausgesprochen.

Niemand will der Erste sein.

Und doch kommt es angekrochen.

Nistet sich im Menschen ein.

 

Schafft sich dort ein festes Plätzchen.

Stört nicht, immer aber ist´s präsent.

Manchmal maunzt es, wie ein Kätzchen,

reizend, harmlos, lieb, dezent.

 

Deshalb wird´s kaum wahrgenommen.

Doch ewig nur derselbe Text.

Hätt´ man es doch nie vernommen.

Und schon hat es uns verhext.

 

„Könnt´ es sein?“ „Nein, nie im Leben.“

„Vielleicht doch?“ „Wer weiß das schon?“

„Bisher hat´s nie Grund gegeben.“

„Ist doch alles nur Fiktion.“

 

Plötzlich hört man davon sprechen.

Leise erst und allgemein.

Noch macht´s uns kein Kopfzerbrechen.

Was nicht darf, das kann nicht sein.

 

Anderswo, da kann´s das geben.

Anderswo ist nicht bei uns.

Anderswo gibt´s Erdenbeben.

Anderswo ist nicht bei uns.

 

Doch durch die verstopften Ohren,

durch den Sinn und durch die Stirn

durch die Haut und durch die Poren

bohrt sich´s tief hinein ins Hirn.

 

Und ganz plötzlich wird´s verstanden,

denn wir sind, wie alle sind.

Ob in deutschen oder fernen Landen,

Mann und Frau und Greis und Kind.

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Einen kühlen Kopf und ein heißes Herz, das wünsche ich Ihnen

für die anstehende neue Woche.

 

Mit zuversichtlichen Grüßen

 

Ihr

 

Rainer Sliepen